Hier ist die nüchterne, belastbare Planung – mit Annahmen, Formeln, Größenordnungen, Kosten und Fallstricken. So kannst du das „Luftschloss“ sauber begründen – und schrittweise hart machen. # Zielbild (kurz) * **500 ESP-Cams** liefern **alle 10 s** ein JPEG (SVGA, ≈ 20–30 KB). * **Collector** nimmt an, schreibt **Hot-Store (minutenweise JPEGs)**, erzeugt **stündliche/ tägliche H.264-Clips** und räumt alte JPEGs per Retention weg. * **MQTT** liefert Heartbeats/Telemetrie. * **Netz**: pro Stockwerk **hAP + VLAN**, zentraler Broker/Collector; 220 V vorhanden. --- ## 1) Annahmen (Baseline) * Anzahl Kameras (N) = **500** * Intervall (T) = **10 s** ⇒ **8 640 Bilder/Tag/Kamera** * Ø JPEG-Größe (S) = **25 KB** (eure Messung lag ~23–30 KB) * JPEG→H.264-Clip: Reduktionsfaktor (R) = **2–4×** (typisch 3×) * Collector/NAS: 1 GbE, 220 V Netz, ggf. später PV-Offload * Strompreis: **0,25 €/kWh** (Beispielwert – anpassen) --- ## 2) Dimensionierung ### 2.1 Speicherbedarf **Pro Tag (nur JPEGs):** [ \text{GB/Tag} \approx N \times \frac{S \text{(KB)} \times 8640}{1024} ] Beispiel: (500 \times \frac{25 \times 8640}{1024} \approx \mathbf{108\ GB/Tag}) **Wenn JPEGs nach Clip-Erzeugung gelöscht werden:** [ \text{GB/Tag (Clips)} \approx \frac{\text{GB/Tag (JPEG)}}{R} ] Beispiel (R = 3): (108/3 \approx \mathbf{36\ GB/Tag}) **Retention-Beispiele (nur Clips):** * 7 Tage: ~**250 GB** * 14 Tage: ~**500 GB** * 30 Tage: ~**1,1 TB** > **Praxis:** Hot-JPEGs nur **60 min** vorhalten (Echtzeit-Analyse), dann Clip erzeugen und löschen ⇒ Plattenlast und Inodes unter Kontrolle. ### 2.2 Netzwerk-Last **Durchsatz (Mbit/s):** [ \text{Mbit/s} \approx N \times \left(\frac{S\text{(KB)}}{T\text{(s)}}\right) \times \frac{8}{1000} ] Beispiel: (500 \times (25/10) \times 8/1000 \approx \mathbf{10\ Mbit/s}) im Mittel. Mit **Jitter (±10 s)** die Peaks glätten. **WLAN/APs:** 10 s-Intervalle sind airtime-schonend. Ein hAP pro Stockwerk reicht i.d.R., Cams verteilen. ### 2.3 Rechenleistung * **Collector**: CPU kaum kritisch (I/O-lastig). ffmpeg-Clips stündlich/gestreut erzeugen. * **NAS/NVMe**: Viele kleine Writes (JPEG), dann sequenzielle Writes (Clips). **Kleines NVMe-„Spool“** + HDD-Bulk ist ideal. --- ## 3) Speicher-Varianten ### A) Minimal (Start jetzt): **Raspberry Pi 5 + NVMe (2 TB)**, ohne RAID * Puffer: * **Nur Clips**: (2\ \text{TB} / 36\ \text{GB/Tag} \approx \mathbf{55\ Tage}). * **JPEGs (ohne Löschen)**: (2\ \text{TB} / 108\ \text{GB/Tag} \approx \mathbf{18\ Tage}). * Vorteile: günstig, leise, geringer Strom, schnell betriebsbereit. * Risiken: Single Point of Failure, NVMe-Verschleiß bei hohem IOPS-Mix, begrenzter Ersatz bei Ausfall. **Hausnummer Kosten (einmalig):** * RPi 5 (8 GB) + NVMe-HAT + 2 TB NVMe: **250–350 €** * Kleine USV: **80–150 €** ### B) Robust (mittelfristig): **NAS 4–6-Bay + RAID** * z. B. **4× 8 TB RAID10** (≈ 16 TB nutzbar) oder **6× 8 TB ZFS RAIDZ2** (≈ 29–32 TB nutzbar). * Vorteile: Platten-Redundanz, IOPS-Reserve, Scale-up, längere Retention. * Risiken: höhere Anschaffung, etwas mehr Strom. **Hausnummer Kosten:** * 4-Bay NAS-Gehäuse: **400–800 €** * 4× 8 TB HDD: **600–800 €** * Summe: **1 000–1 600 €** (+ USV) --- ## 4) Strom & Betriebskosten ### 4.1 Verbrauch (heute, ohne Schlaf-Tuning) * **Cam**: 0,5–1,0 W Ø → **500 Cams = 250–500 W** * **Backend (NAS/Collector)**: 100–200 W * **Gesamt**: **350–700 W** ⇒ **8,4–16,8 kWh/Tag** ### 4.2 Kosten (0,25 €/kWh) * **pro Tag:** 2,10–4,20 € * **pro Monat (30 d):** **63–126 €** * **pro Jahr:** **~760–1 520 €** > **Spareffekt (später):** WLAN-Sleep + JPEG-Qualität optimieren kann Cam-Leistung deutlich senken (z. B. auf 0,3–0,6 W). Das halbiert den größten Kostenblock. --- ## 5) VLAN/Segmentierung (Betriebssicherheit) * Pro Stockwerk **VLAN 50** für ESP-Clients; hAP bridged SSID→VLAN50. * Trunk zum Core. * **Firewall:** * ESP → Broker (MQTT), ESP → Collector (HTTP POST) **erlauben** * **Alles andere sperren** (kein East-West zwischen Cams) * **NTP** erlauben (Zeitstempel/Logik) * **Monitoring:** Broker-Topics (retained), Collector-/health, Platte (SMART), Timer-Jobs (systemd). --- ## 6) Fallstricke & Gegenmaßnahmen * **Dateiflut/Inodes:** Hot-Store limitiert halten, stündlich clippen, **Retention/Logrotate** aktiv (schon umgesetzt). * **Zeitbasis:** **NTP** muss stabil laufen (sonst schiefe Dateinamen/Indizes). * **Thermik:** ESP-Gehäuse nicht dämmen; ggf. 5 V-Mikrolüfter an Hotspots. * **Strom/USV:** Kurz-Ausfälle puffern (USV), saubere Shutdowns → keine FS-Korruption. * **WLAN-Dichte:** AP-Kanalplanung; Heartbeats **jitter**n (last verteilt). * **Speicher-SPOF (Variante A):** Regelmäßige **Clipsync** (rsync) auf Backup-Ziel (nachts). * **Wartung:** Stücklistenableger, Ersatz-ESP, definierter Flash-Pfad (Make/CLI). --- ## 7) Formeln (zum schnellen Rechnen) * **Bilder/Tag/Kamera:** (B = 86400/T) * **GB/Tag (JPEG):** (\text{GB} \approx N \times \frac{S \text{(KB)} \times B}{1024}) * **GB/Tag (Clip):** (\text{GB}*{\text{clip}} \approx \text{GB}*{\text{jpeg}} / R) * **Dauer-Durchsatz (Mbit/s):** ( \approx N \times (S/T) \times 8 / 1000 ) * **Leistung gesamt (W):** ( \approx N \times P_{\text{Cam}} + P_{\text{Backend}}) * **Energie/Tag (kWh):** ( \text{kWh} \approx W \times 24 / 1000) --- ## 8) Antwort auf deine Kernfrage (RPi5 + NVMe „ein paar Tage?“) * **Ja** – sogar **Wochen**, **wenn** du die JPEGs nach Clip-Erzeugung löschst. * Mit **2 TB NVMe** und **36 GB/Tag (Clips)** sind ~**55 Tage** drin (brutto). * Wenn du **JPEGs behältst**: ~**18 Tage** (2 TB / 108 GB/Tag). * Für Produktion > einige Wochen + Redundanz: **NAS/RAID** einplanen (Variante B). * Start pragmatisch mit **Variante A** – **Variante B** parallel vorbereiten (Migration per rsync). --- ## 9) Konkrete Empfehlung (sofort umsetzbar) 1. **Weiter so mit eurer Toolchain:** Hot-JPEG → stündlicher Clip → JPEG weg. 2. **RPi5+NVMe** als Collector/Spool **jetzt**; nächtliches **rsync** auf ein zweites Laufwerk/Server. 3. **In 4–8 Wochen**: NAS (RAID10 oder RAIDZ2) aufsetzen, Retention auf 14–30 Tage erhöhen. 4. **Power-Tuning** der ESPs (Sleep, JPEG-Qualität) in Wellen testen – spart Opex am stärksten. 5. **Netz-Hygiene**: VLAN strikt, NTP offen, MQTT/HTTP minimal freischalten, Jitter bleibt an. 6. **USV + Monitoring** (SMART, df, Timer-Logs) aktiv halten.